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Jury stellt Shortlist des Rückertpreises vor

Über die armenische Literatur ist in Deutschland nur wenig bekannt. Prof. Dr. Armenuhi Drost-Abgarjan, Ernest Wichner und Dr. Claudia Ott wollen das ändern. Sie bilden die Jury des Rückertpreises der Stadt Coburg, der im Mai 2022 an eine*n armenischen Autor*in sowie den/die Übersetzer*in verliehen werden soll. Vor Kurzem hat die Jury die Shortlist vorgestellt.

„Es gibt nur sehr wenige Stücke der armenischen Gegenwartsliteratur, die in die deutsche Sprache übersetzt worden sind – das ist sicher auch dem geringen Interesse an dem Land geschuldet“, sagte Ernest Wichner. Der ehemalige Leiter des Literaturhauses Berlin kündigte an, gemeinsam mit seinen Mit-Jurorinnen, den literarischen Versuch zu unternehmen, etwas an diesem Phänomen zu ändern. Ein Versuch, der sich durchaus lohne, denn: „Kaum eine Frau ist schöner als die armenische Sprache“, zitierte Wichner Herbert Maurer, einen Schriftsteller und Armenologen aus Österreich.

Armenien ist heute ein kleines Land, das auf eine große Geschichte, 3000-jährige zurückblickt. Davon wusste die Armenologin Armenuhi Drost-Abgarjan zu berichten. Die heutige Literatur ist vor allem geprägt vom Genozid an den Armeniern im 20. Jahrhundert und von der Zeit, in der das Land Teil der Sowjet-Union gewesen. Die bewegte Geschichte der Neuzeit ist der Grund dafür, dass rund zwei Drittel Armenier außerhalb des Landes leben. Entsprechend groß ist der Schatz der Diaspora Literatur. Für den Rückerpreis kommen jedoch nur Werke infrage, die in armenischer Sprache erschienen und in die deutsche Sprache übersetzt worden sind.

Auf ihrer Shortlist versammelt die Jury Texte, die verschiedene Perspektiven auf das Leben im Armenien der Gegenwart eröffnen. Krikor Beledian zum Beispiel lebt als Dichter, Literaturkritiker und Hochschullehrer in Frankreich. Seine Bücher sind in Armenien, aber auch in Frankreich, dem Libanon und in den USA erschienen. Er überzeugte die Jury mit Reflexionen über das Sprechen und Nicht-Sprechen, deren intellektuell Tiefe außerordentlich ist.

Armen Shekoian arbeitet als Journalist und veröffentlicht den Mega-Roman Haykakan  Shamanak, der in Fortsetzungen in einer Tageszeitung erscheint – und wohl erst abgeschlossen ist, wenn die Zeitung eingestellt wird. Ein Teil dieses Projekts wurde ins Deutsche übersetzt. „Armen Shekoian zieht in seinen Stücken den Leser ganz tief in die armenische Seele hinein“, würdigt die Jury.

Grigor Shashikyan, Künstlername Grig, ist der jüngste Autor auf der Shortlist. Er wurde 1991 in Jerewan geboren und promoviert derzeit über armenische Gegenwartsliteratur.  Er legte mit „Jeus‘ Katze“ ein Erstlingswerk vor, dass die Leser mitnimmt in die Straßen Jerewans. Grig erzählt in seinen Kurzgeschichten von besonderen Menschen, anrührenden Schicksalen und den Folgen von Krieg und Gewalt.

Arpi Voskanyan ist 1978 in Stepanavan geboren, studierte Theater, Film und Schöne Künste und legte im Jahr 2001 ihren ersten Gedichtband vor. Auf diesen sollten noch viele weitere Prosa- und Lyrik-Bände folgen. Die Jury würdigt sie als scharfsinnige Beobachterin, die nie den neutralen Standpunkt der Erzählerin verlässt.

Der Rückertpreis

Der Coburger Rückert-Preis wandert durch die Regionen, aus deren Sprachen der Dichter und Orientalist Friedrich Rückert übersetzte. Das erste Mal wurde der Preis im Jahr 2008 verliehen. Bislang erhielt ausschließlich der/die Autor*in das Preisgeld in Höhe von 7500 Euro. Im kommenden Jahr wird zusätzlich der/die Übersetzer*in mit einem Preisgeld von 2500 Euro bedacht.

„Wir sind sehr froh, dass wir den Rückert-Preis wieder verleihen können und, dass wir ihn in die Mitte der Coburger Stadtgesellschaft holen werden“, kündigte der für Kultur zuständige 3.  Bürgermeister Thomas Nowak an. „Wir planen eine Armenien-Woche, die das Land und seine Kultur aus vielen Blickwinkeln beleuchtet“, ergänzt Norbert Anders, Leiter des Amtes für Schulen, Kultur und Bildung.

Damit die Coburgerinnen und Coburger schon jetzt die armenische Literatur entdecken können, gibt es die Bücher der Shortlist, und mehr, bei der Buchhandlung Riemann zu kaufen.

Rückert und Armenien: Ein neues Kapitel für die Forschung

Der Rückert-Preis widmet sich immer einem Land, aus dessen Sprache der Orientalist und Dichter Friedrich Rückert übersetzt hat. Aber konnte er auch Armenisch? Durchaus. Das hat Claudia Ott bei ihren Vorbereitungen herausgefunden. Sie hat in seinem Nachlass eine Mappe mit Notizen entdeckt. Aus ihnen lässt sich ablesen, wie Rückert Armenisch gelernt hat – im Vergleich mit anderen Sprachen. „Ich war die erste, die nach dem Tod des Orientalisten diese Unterlagen eingesehen hat. Diese Erkenntnisse eröffnen ganz neue Perspektiven für die Rückert-Forschung“, so die Arabistin.

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